Interview mit Theo und Arno

September 2011

Theo Schenk Theo Schenk

Theo Schenk wurde 1936 in München geboren und ist in Hamburg aufgewachsen. Als Versicherungskaufmann kam er nach Offenbach und ist seit dem 23. April 1958 OFC-Mitglied. Damit gehörte er noch zu denjenigen, die auf dem Großfeld Handball spielten. Von 1970-90 war er Abteilungsleiter der Handballer und gehört seit 1996 wieder dem Vorstand an. Seine Aufgaben sind das Mitgliederwesen, Repräsentieren und der Kontakt zum Hauptverein.

 

Theo ist seit 1961 mit seiner Frau Gerdi verheiratet und hat zwei Töchter und einen Enkelsohn.

Arno Müller Arno Müller

Arno Müller, geboren 1960 in Offenbach, ist kein gelernter Handballer. Doch seine Frau Barbara und seine beiden inzwischen erwachsenen Kinder machten aus ihm einen passiven Handballer, der seit über 25 Jahren Mitglied ist und sich seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Positionen für die Abteilung engagiert. Zurzeit ist er Verantwortlich für die drei Aktiven-Mannschaften des Vereins und außerdem noch Zeitnehmer in der Ober- und Landesliga.

 

"Handball ist ein toller Breitensport, bei dem auch Leistungswille zählt“

 

 

 

Was war in Bezug auf die OFC-Handballabteilung euer positivstes und negativstes Erlebnis?

 

 

Theo: Mein Wiedereinstieg in die Abteilungsarbeit 1996 war auch der Tatsache geschuldet, dass die Zusammenarbeit mit dem Hauptverein damals sehr schwierig war und viele Zahlungen ausblieben. Seitdem haben wir viel erreicht: Von 180 Mitgliedern wuchs die Abteilung auf knapp 400 und wir haben drei aktive und zehn Jugendmannschaften sowie eine F-Jugend und eine Ballsportgruppe für die Kleinsten. Dazu gibt es noch unser Querbeet-Angebot durch alle Sportarten und eine Fußballgruppe. Leider sind unsere beiden Männermannschaften in der letzten Saison abgestiegen.


Arno: Stolz bin ich auf unsere große Jugendabteilung und dass wir viele junge Menschen begeistern konnten, den Verein als Trainer und Schiedsrichter zu unterstützen. Leider fehlen uns aktive Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, auf deren Erfahrungen wir zurückgreifen könnten.

 


Wie beurteilt Ihr die derzeitige sportliche Situation im Aktiven- und Jugendbereich?

 

Arno: Ziel für die 1. Männermannschaft ist das Mitspielen um den Wiederaufstieg in die A-Klasse. Denn die B-Klasse ist für unsere momentane A-Jugend mit vielen starken Spielern sicher keine Option. Schon in der Vergangenheit haben wir Talente an höherklassige Vereine abgeben müssen. Wir wollen die Früchte unserer langjährigen Jugendarbeit auch ernten und da setze ich großes Vertrauen in den neuen Trainer Thomas Smolek. Er sollte in der Lage sein, die jungen Spieler zu integrieren und sie aufzubauen. Schon jetzt nutzen die Jungen das Angebot, bei der 1. Mannschaft mitzutrainieren und haben viel Spaß dabei. Thomas hat einerseits vor einen festen 1. Mannschaftskader zu nominieren, andererseits den restlichen Spielern über die 2. Mannschaft die Möglichkeit zu geben, Spielpraxis zu gewinnen und aber auch die Chance in den Kader der 1. Mannschaft nachzurücken.

 

Theo: Im weiblichen Bereich fehlt uns eine A-Jugend und die B-Jugend ist erst im ersten Jahr. Da sehe ich Probleme für unsere sehr junge Damenmannschaft in der Bezirksoberliga, da wir einige Abgänge haben, z.B. aus Altersgründen und wegen beruflicher Veränderung sowie Ausfälle durch Verletzungen. Der neue Trainer Manfred Gerum konnte bereits einige Neuzugänge für den OFC gewinnen und die Vorbereitung auf die Saison lief sehr gut.

 

 

Was erhofft ihr euch von der Umstrukturierung des Vorstandes?

 

Theo: Die Neuverteilung der Aufgaben im Vorstand wurde nötig, da einige ehemalige Mitglieder nicht mehr für Neuwahlen zur Verfügung standen. Sie werden uns sicherlich noch eine Weile fehlen, doch haben wir vor allem unter den Eltern unserer Abteilung helfende Hände gefunden. Die Neubesetzung wird sicher Früchte tragen, das zeigen schon die guten Ansätze zum Beispiel im Bereich der Kommunikation oder Organisation.

 

Arno: Durch neue Leute kommen auch neue Ideen - so auch dieses Interview. Das finden wir prima und sehr wichtig. Und doch bleiben auch alte Probleme wie z.B. alle Jahre wieder im Jugendbereich ausreichend Trainer zu finden.

 

 

Viele Kinder und Eltern schätzen das vielfältige Angebot der Handballabteilung wie z.B. Jugendfahrt, Segeltörn, Trainingscamps, Pfingstfahrt, Sponsorenlauf etc. Wie schafft ihr es immer wieder, die für diese vielfältigen Events die notwendigen ehrenamtlichen Helfer zu mobilisieren?

 

Arno: Ich wurde selber seinerzeit über die Jugendarbeit für den OFC begeistert und das ist auch unser Hauptansatz: Eltern anzusprechen, die zugunsten ihrer Kinder Aufgaben übernehmen. Von denen haben viele nichts mit Handball zu tun, sind aber für die Abteilung wichtig.

 

Theo: Es ist nicht immer einfach, Helfer zu finden. Doch gerade die Eltern können wir gut an uns binden, weil wir uns für ihre Kinder einsetzen. Da gibt es viele private und berufliche Erfahrungen, die uns zugute kommen. Und wenn die Eltern aktiv sind, sind auch ihre Kinder eher bereit, sich als Jugendliche zu engagieren. Das ist toll.

 

 

Was sind derzeit die größten Baustellen, sprich Probleme, in der Handballabteilung?

 

Arno: Unser Hauptproblem ist der fehlende Mittelbau der 30 bis 50jährigen. Wir müssen immer wieder neue junge Leute heranführen, die dann aufgrund von Ausbildung, Beruf oder Studium nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir brauchen Trainer, Schiedsrichter und auch alle Altersklassen im Vorstand, um weiter allen Mitgliedern Angebote zu machen und immer wieder neue Ideen zu entwickeln.

 

Theo: Ja, das stimmt und Schiedsrichter sind immer Mangelware. Auch hoffe ich, dass mit der jetzt sehr jungen Damenmannschaft unser Miteinander und die Unterstützung für die Abteilung wieder stärker werden.

 

 

Mit Peter Dinkel steht auf Seiten des Hauptvereins ein neuer Ansprechpartner für die Handballabteilung zur Verfügung. Hat sich die Zusammenarbeit mit dem Vorstand dadurch verändert?

 

Theo: Im Februar wurde Peter Dinkel in den Vorstand des Hauptvereins gewählt und hat schon bald Kontakt zu uns aufgenommen. Nicht nur das: auch noch ausstehende Gelder sind inzwischen überwiesen und Peter Dinkel hat ein sehr positives Statement über unsere Arbeit beim Hauptverein abgegeben. Nun ist er auf der Suche nach Sponsoren für uns. Das sind alles sehr positive Tendenzen.

 

Arno: Ja, Peter Dinkel hat in seiner bislang kurzen Amtzeit schon mehr für die Handballabteilung getan als viele seiner Vorgänge. Er ist ein wichtiger Mann für den Sport allgemein, auch in seiner Funktion als Sportkreisvorsitzender. Peter Dinkel ist vor allem Vereinsmensch und ihm ist wichtig, dass der OFC verschiedene Abteilungen hat.

 

 

Es wird ein neues Stadion gebaut, in Bürgel entsteht eine so genannte Sportfabrik. Welche Perspektiven gibt es für die OFC-Handballer hinsichtlich der recht schlechten Hallensituation?

 

Theo: Einen weiteren Hallenneubau wird es in Offenbach in den kommenden Jahren sicherlich nicht geben. Zwar steht die neue Halle der Theodor-Heuss-Schule vor der Vollendung, sie hat aber keine Tribüne und ist somit nur als Trainingsort interessant - für z.B. die Bieberer Vereine. Das würde uns schon helfen, wenn wir mehr Trainingszeiten in unserer Stammhalle Edith-Stein-Schule hätten. Auch wenn hier nicht alles zum Besten steht, z.B. die sanitären Anlagen. Obwohl andere städtische Vereine die Anzahl der Mannschaften abgebaut haben und wir unsere erhöht haben, sind die Trainingszeiten dieselben geblieben, leider.

 

 

Was ist für euch die Grundphilosophie der OFC-Handballabteilung?

 

Theo: Wir bieten Breitensport an und wollen damit auch erfolgreich sein. Wenn wir es uns leisten könnten, unsere ''Eigengewächse'' durch eine gewisse, nicht unbedingt monetäre, Kompensation zu halten, wäre das toll. Aber es kommt für uns nicht infrage, uns eine Mannschaft ''zusammen zu kaufen''. Das ist nicht unser Stil.

 

Arno: Jugendlichen muss der Spaß am Erfolg vermittelt werden, aber Leistung ist nicht alles. Besonders wichtig ist uns, ihnen viel für ihr Sozialverhalten mitzugeben. Man kann viel in der OFC-Handballabteilung machen, nicht nur Handball spielen. Durch die vielen Möglichkeiten im Verein lernt man auch fürs Leben und damit auch für die berufliche Zukunft.

 

 

Wird es die OFC-Handabteilung in zehn Jahren noch geben?

 

Arno: Sicherlich wird es uns Handballer noch geben - vielleicht in einigen Mannschaften als Spielgemeinschaft, vielleicht in später Zukunft auch als großer Stadtverein wie z.B. in Maintal jüngst geschehen. Probleme sind, die Kinder an den Verein heranzuführen in Zeiten von Ganztagsschule und geringeren Hallenzeiten. Wir arbeiten gerne mit den Schulen zusammen und können so auch Kinder ansprechen. Im Gegenzug werden aber von den Schulen qualifizierte Trainer für ihre Schul-AGs erwartet. Doch wer kann sich das zeitlich und finanziell leisten? Aber ich persönlich hoffe, dass wir eigenständig bleiben werden.

 

 

Was wäre euer größter Wunsch für die Handballabteilung?

 

Theo: Ich möchte die Männer wieder in der Bezirksoberliga spielen sehen. Noch ist das ein weiter Weg. Doch die Frauen sind da sehr erfolgreich und auch einige Jugendmannschaften sind wieder qualifiziert.

 

Arno: Mein größter Wunsch ist eine eigene Halle - leider nicht realistisch oder nur durch einen Lottogewinn zu erreichen. Ich wünsche mir, dass sich die Abteilung weiter entwickelt - auch hinsichtlich Leistungssports. Denn Breitensport funktioniert nur mit Leistung. Dann wünsche ich mir auch genug Nachwuchs für einen funktionierenden Vorstand, bei dem die Altersmischung stimmt.

 

Das Interview führten Axel Ruhnau, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit im Vorstand und mD-Jugendtrainer, und Monika Pröse, seit Nicht-Handballerin 20 Jahre im Verein, deren drei Männer aber als Trainer und Spieler aktiv sind. Fotos von René Spalek, dessen Sohn begeisterter Handballer ist.

TEAMS